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Jahresabschluss in Zypern: wer geprüft wird, wer nur eine Review braucht

In Zypern gibt es keine Prüfungsbefreiung für kleine Gesellschaften. Es gibt einen Ersatz durch ein leichteres Verfahren — und eine Umsatzdefinition, die Holdings regelmäßig aus ihm herauswirft.

Von Alexander Volkhine5 Min. Lesezeit
Jede Limited300.000 €Zwei Jahre
Blaue Aktenordner mit Jahresbeschriftung, nebeneinander in einem Regal

Zulfugar Karimov / Pexels

Kurz gesagt

Nach Artikel 152A des Gesellschaftsgesetzes Cap. 113 muss jede zyprische Gesellschaft ihren Jahresabschluss prüfen lassen — ausdrücklich jede private und jede öffentliche Gesellschaft mit beschränkter Haftung, unabhängig von Größe, Tätigkeit oder davon, ob überhaupt Umsätze angefallen sind. Eine echte Befreiung gibt es nicht. Private Gesellschaften dürfen den Abschluss statt der Prüfung einer Review nach dem Internationalen Standard ISRE 2400 unterziehen, wenn Nettoumsatz und Bilanzsumme zum Bilanzstichtag 300.000 € und 500.000 € nicht übersteigen, und zwar in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren. Durchgeführt wird auch die Review von einem zugelassenen Prüfer. Wichtig ist die Umsatzdefinition: Zum Nettoumsatz zählen für diesen Zweck auch Erträge aus Mieten, Zinsen, Dividenden und Lizenzen. Konzernmütter mit Konsolidierungspflicht und Unternehmen von öffentlichem Interesse sind von der Review-Route ausgenommen. Die Körperschaftsteuererklärung T.F. 4 ist ab Steuerjahr 2026 am 31. Januar des zweiten Folgejahres fällig.

  • 152ADie Vorschrift im Gesellschaftsgesetz Cap. 113
  • 300.000 €Umsatzgrenze für die Review statt Prüfung
  • 500.000 €Bilanzsumme, ohne Abzug von Verbindlichkeiten
  • 2Aufeinanderfolgende Jahre unter beiden Grenzen
  • ISRE 2400Standard, nach dem die Review erfolgt
  • 31. JanuarT.F. 4 des zweiten Jahres nach dem Steuerjahr
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Es gibt keine Prüfungsbefreiung

Das ist der Satz, der am häufigsten falsch wiedergegeben wird. Artikel 152A Absatz 1 Buchstabe a des Gesellschaftsgesetzes Cap. 113 zählt auf, wer seinen Jahresabschluss einer Prüfung durch einen oder mehrere zugelassene Prüfer unterziehen muss:

Wer
i jede Gesellschaft, die einen Konzernabschluss aufstellen muss
ii jedes Unternehmen von öffentlichem Interesse
iii jede private Gesellschaft mit beschränkter Haftung
iv jede öffentliche Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Ziffer iii ist die entscheidende: Sie nennt keine Größenschwelle, keine Umsatzgrenze und keine Ausnahme für Gesellschaften, die im Geschäftsjahr nichts getan haben. Eine ruhende zyprische Limited fällt genauso darunter wie eine mit Millionenumsatz. Wer eine Limited gründet, übernimmt diese Pflicht mit der Eintragung.

Die Ausnahme ist ein Ersatz, keine Befreiung

Buchstabe d derselben Vorschrift erlaubt den Gesellschaften nach Ziffer iii — also den privaten Gesellschaften — den Abschluss statt der Prüfung einer Review zu unterziehen.

Entscheidend ist, was dabei gleich bleibt: Die Review führt ein zugelassener Prüfer oder eine zugelassene Prüfungsgesellschaft im Sinne des Prüfergesetzes durch. Es entfällt also nicht der Berufsträger, sondern nur die Tiefe des Verfahrens.

Das Gesellschaftsgesetz definiert den Standard selbst: der Internationale Standard für Reviewaufträge 2400 (ISRE 2400), herausgegeben von der Internationalen Vereinigung der Wirtschaftsprüfer über das IAASB, in der jeweils geltenden Fassung. Praktisch bedeutet das eine Aussage mit begrenzter Sicherheit — der Prüfer bestätigt nicht, sondern erklärt, dass ihm nichts bekannt geworden ist, was gegen die Ordnungsmäßigkeit spricht.

Die zwei Schwellen

Die Review ist zulässig, wenn zum Bilanzstichtag beide Werte nicht überschritten werden:

Größe Grenze
Nettoumsatz 300.000 €
Bilanzsumme — Gesamtwert der Aktiva, ohne Abzug der Verbindlichkeiten 500.000 €

Viele Übersichten nennen hier noch 200.000 €. Das war die frühere Umsatzgrenze; im geltenden Gesetzestext stehen 300.000 €. Die Grenze für die Bilanzsumme ist unverändert.

Zwei aufeinanderfolgende Jahre, nicht eines

Der erste Vorbehalt begrenzt die Review zeitlich: Sie ist nur zulässig, wenn die Gesellschaft zum Bilanzstichtag die beiden Grenzen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren nicht überschreitet — oder aufhört, sie zu überschreiten.

Daraus folgen zwei praktische Punkte:

  • Im ersten Geschäftsjahr einer neu gegründeten Gesellschaft ist die Bedingung „zwei aufeinanderfolgende Jahre” noch nicht erfüllbar.
  • Nach einem starken Jahr genügt ein einzelnes schwaches Jahr nicht, um in die Review zurückzukehren. Es braucht zwei.

Wer die Review-Route nicht nutzen darf

Drei Gruppen bleiben bei der vollen Prüfung:

  • Konzernmütter mit Konsolidierungspflicht. Eine eigene Ziffer nimmt Muttergesellschaften, die nach dem Gesetz einen Konzernabschluss aufstellen müssen, ausdrücklich von Buchstabe d aus.
  • Unternehmen von öffentlichem Interesse.
  • Öffentliche Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Buchstabe d verweist nur auf Ziffer iii, also auf die privaten.

Nach welchen Regeln bilanziert wird

Das Gesellschaftsgesetz definiert die Internationalen Rechnungslegungsstandards als die jeweils geltenden International Accounting Standards (IAS) und International Financial Reporting Standards (IFRS) samt zugehörigen Texten, herausgegeben unter der Aufsicht des IASB.

Für eine kleine zyprische Limited heißt das: Es gibt keinen vereinfachten nationalen Standard, an dem sich der Abschluss stattdessen ausrichten könnte. Die Erleichterung liegt im Prüfungsverfahren, nicht in der Rechnungslegung.

Die Körperschaftsteuererklärung T.F. 4

Die Erklärung selbst ist ab Steuerjahr 2026 am 31. Januar des zweiten Jahres nach dem Steuerjahr fällig — dreizehn Monate nach Jahresende. Bis Steuerjahr 2025 war es der 31. März des zweiten Folgejahres.

Steuerjahr T.F. 4 fällig
2025 31. März 2027
2026 31. Januar 2028

Die endgültige Steuerzahlung fällt ab Steuerjahr 2026 auf denselben 31. Januar. Der Satz beträgt seit Steuerjahr 2026 15 % statt 12,5 % — dazu und zum Verlustvortrag steht mehr im Überblick zur Steuerreform.

Die Vorauszahlung und die 75-Prozent-Falle

Unabhängig von der Erklärung läuft die Steuervorauszahlung: zwei gleiche Raten am 31. Juli und 31. Dezember des Steuerjahres selbst, revidierbar bis zum 31. Dezember.

Die Falle ist die 75-Prozent-Regel: Liegt das erklärte vorläufige Einkommen unter 75 % des endgültig festgestellten, fällt eine Zusatzsteuer von 10 % auf die Differenz zwischen endgültiger und vorläufiger Steuer an. Das trifft auch, wer die Erklärung pünktlich abgibt — die Schätzung liegt vor der Erklärung, und sie wird nachträglich gemessen.

Wohin was geht

Zwei Behörden, zwei Fristen, und keine erinnert an die andere:

Empfänger Was Wann
Handelsregister Geprüfter Abschluss als Anlage zur Jahresmeldung HE32 innerhalb zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag
Tax Department Körperschaftsteuererklärung T.F. 4 31. Januar des zweiten Jahres nach dem Steuerjahr

Zwischen zwei Hauptversammlungen dürfen höchstens fünfzehn Monate liegen. Der vollständige Jahreskalender mit allen Terminen steht in den Steuerfristen.

Was wir nicht belegen konnten

  • Ab welchem Geschäftsjahr die Grenze von 300.000 € gilt. Der konsolidierte Gesetzestext nennt 300.000 €; Sekundärquellen datieren die Änderung auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 6. Februar 2026 beginnen. Das Änderungsgesetz selbst haben wir nicht nachgelesen, deshalb geben wir das Datum nicht als Tatsache wieder.
  • Ob die Review dieselbe Gebühr kostet wie eine Prüfung. Honorare sind frei; belastbare Spannen konnten wir nicht belegen.
  • Ob ein Wechsel von Review zu Prüfung angezeigt werden muss. Das Gesetz regelt die Zulässigkeit, nicht ein Mitteilungsverfahren.
  • Eine bezifferte Strafe für einen verspäteten Abschluss gegenüber dem Tax Department. Für die verspätete HE32 an das Handelsregister sind Beträge veröffentlicht; für den Abschluss als Anlage zur Steuererklärung haben wir keine eigene Sanktion gefunden.
  • Ob eine ruhende Gesellschaft ohne Bankkonto und ohne Buchungen ebenfalls einen vollständigen Abschluss braucht. Nach dem Wortlaut von Ziffer iii ja; eine amtliche Klarstellung für diesen Fall haben wir nicht gefunden.
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FAQ

Jahresabschluss und Prüfung: häufige Fragen.

Muss eine kleine zyprische Limited geprüft werden?

Im Grundsatz ja. Artikel 152A Absatz 1 des Gesellschaftsgesetzes zählt die prüfungspflichtigen Gesellschaften auf und nennt dabei ausdrücklich jede private Gesellschaft mit beschränkter Haftung — ohne Größenschwelle, ohne Ausnahme für ruhende Gesellschaften. Was es gibt, ist der Ersatz der Prüfung durch eine Review bei kleinen Gesellschaften. Das ist keine Befreiung: Auch die Review führt ein zugelassener Prüfer oder eine zugelassene Prüfungsgesellschaft durch.

Ab welcher Größe ist eine Review statt einer Prüfung erlaubt?

Wenn Nettoumsatz und Bilanzsumme zum Bilanzstichtag 300.000 € beziehungsweise 500.000 € nicht übersteigen. Die Bilanzsumme ist dabei der Gesamtwert der Aktiva, ohne Abzug von Verbindlichkeiten. Beide Grenzen müssen gleichzeitig eingehalten werden, und zwar in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren. Viele Übersichten nennen noch 200.000 € — das war die frühere Grenze.

Zählen Dividenden zum Umsatz für diese Schwelle?

Ja, und das ist die Falle. Ein zweiter Vorbehalt in derselben Vorschrift bestimmt, dass zum Nettoumsatz für diesen Zweck auch Erträge aus Mieten, Zinsen, Dividenden und Lizenzen gehören. Eine Holding ohne jedes operative Geschäft, die 400.000 € Dividenden erhält, liegt damit über der Grenze und ist voll prüfungspflichtig. Wer nur die handelsrechtliche Umsatzdefinition heranzieht, rechnet falsch.

Wer darf die Review-Route nicht nutzen?

Drei Gruppen. Gesellschaften, die nach dem Gesellschaftsgesetz einen Konzernabschluss aufstellen müssen, Unternehmen von öffentlichem Interesse und öffentliche Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Artikel 152A erlaubt die Review ausdrücklich nur den privaten Gesellschaften mit beschränkter Haftung, und eine eigene Vorschrift nimmt konsolidierungspflichtige Muttergesellschaften davon aus.

Was ist eine Review nach ISRE 2400?

Ein Prüfungsauftrag mit begrenzter Sicherheit. Das Gesellschaftsgesetz definiert den Standard selbst: der Internationale Standard für Reviewaufträge 2400, herausgegeben von der Internationalen Vereinigung der Wirtschaftsprüfer über das IAASB, in der jeweils geltenden Fassung. Der Prüfer gibt keine Bestätigung, sondern eine Aussage, dass ihm nichts bekannt geworden ist, was gegen die Ordnungsmäßigkeit spricht.

Wann ist die Körperschaftsteuererklärung fällig?

Die T.F. 4 ist ab Steuerjahr 2026 am 31. Januar des zweiten Jahres nach dem Steuerjahr fällig, also dreizehn Monate nach Jahresende. Bis Steuerjahr 2025 war es der 31. März des zweiten Folgejahres. Konkret: 2025 ist am 31. März 2027 fällig, 2026 am 31. Januar 2028. Die endgültige Steuerzahlung fällt ab Steuerjahr 2026 auf denselben Termin.

Wohin geht der geprüfte Abschluss?

An zwei Stellen, mit zwei Fristen. An das Handelsregister innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag, als Anlage zur Jahresmeldung HE32. An das Tax Department als Grundlage der T.F. 4. Keine der beiden Behörden erinnert an die andere, und die Fristen fallen nicht zusammen.

Was passiert bei einer zu niedrigen Vorauszahlung?

Die Steuervorauszahlung ist am 31. Juli und 31. Dezember des Steuerjahres selbst in zwei gleichen Raten fällig und bis zum 31. Dezember revidierbar. Liegt das erklärte vorläufige Einkommen unter 75 % des endgültig festgestellten, fällt eine Zusatzsteuer von 10 % auf die Differenz zwischen endgültiger und vorläufiger Steuer an. Das ist unabhängig davon, ob die Erklärung selbst rechtzeitig kam.

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Quellen

Inhaltlich geprüft am 25. September 2026. Kein Steuerrat: Diese Seite erklärt die Regeln allgemein. Für deinen Fall entscheidet dein Steuerberater.

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